Kennen Sie Google CASA?

Google CASA (Campus Activated Subscriber Access) ist ein kostenloser Service, der Nutzer/innen von institutionellen Zeitschriftenlizenzen über die Plattform Google Scholar den Zugang von außerhalb ihres institutionellen Netzwerks ermöglicht (Remote Access), ohne dass dazu eigene technische Maßnahmen getroffen werden müssen (Proxy-Server, Link-Resolver o.ä.).

  1. Der/die Nutzerin sucht bei Google Scholar innerhalb der IP-Range der Institution nach Fachartikeln – zu den institutionell lizenzierten Artikeln erscheinen bei den Suchergebnissen automatisch Links zu den PDFs analog zu den generell frei verfügbaren Artikeln.
  2. Ist der/die Nutzer/in mit einem persönlichen Konto bei Google angemeldet und klickt auf einen dieser Links, wird eine Verknüpfung der Lizenz des Anbieters mit diesem Konto bei Google angelegt.
  3. Meldet sich der/die Nutzer/in anschließend mit dem Konto außerhalb der IP-Range – z.B. zuhause – bei Google an, werden bei einer Google-Scholar-Suche wieder die Links zum Volltext des Anbieters angezeigt. Nach Aufruf eines Links können auch ohne Google Scholar alle lizenzierten Artikel des Anbieters geöffnet werden.
  4. Um eine Anzeige der Links zu verhindern, kann man bei den Einstellungen in Google Scholar kann man unter „Konto“ bzw. „Account“ ein Häkchen bei „Signed-in off-campus access links“ entfernen.
  5. Voraussetzung ist eine Teilnahme des Anbieters und der Institution bei Google CASA bzw. dem „Subscriber Links“-Programm.

Die hier dargestellten Informationen stammen von den Verlagen oder aus eigenen Testungen, Google selbst bietet keinerlei Informationen zu diesem Programm an. Die ausführlichsten mir bekannten Informationen, auch über die technischen Hintergründe, finden sich bei Elsevier: https://service.elsevier.com/app/answers/detail/a_id/29795/supporthub/sciencedirect/kw/casa/

So sieht die Google-Scholar-Suche mit einem frischen Browser außerhalb der IP aus … keine Artikellinks verfügbar wie erwartet.
So sähe das innerhalb der institutionellen IP aus, lizenzierte Inhalte sind automatisch verlinkt … praktisch und erschreckend gleichzeitig, woher kennt Google die Springer-Lizenzen der Institution?
Hier nun ganz unten der Link, der erscheint, wenn man über Google CASA außerhalb der IP berechtigt ist, auf lizenzierte Inhalte zuzugreifen. Das funktioniert – wenn einmal hergestellt – dann auch ohne Anmeldung bei Google Scholar und mit gelöschten Cookies … wer speichert hier welche Informationen?

Vieles bleibt unklar:

  • Wie kommt man als Institution in das „Subscriber Links“-Programm und wie wieder hinaus? Funktioniert eine Registrierung bei einem Verlag dann auch für die anderen? (Scheint so …) Wird man als institutioneller Kunde automatisch registriert und hat nur ein Opt-out? (Elsevier deutet so etwas an, jedenfalls für „academic customers“). Highwire schreibt, man könne sich als Institution nicht gegen Google Casa entscheiden. (https://www.highwirepress.com/resources/data-sheets/casa-faq/)
  • Wie sind die technischen Hintergründe? Was wird wann und wo gespeichert? Welche Rolle spielen Cookies? Wie ist es mit dem Datenschutz? Wenn man etwa einen Artikel bei Elsevier oder Springer über Google CASA auf dem Privatrechner geöffnet hat, erscheinen bei Google Scholar die Links zu den PDFs anschließend auch, wenn alle Browserdaten und Cookies gelöscht wurden und man nicht bei Google Scholar angemeldet ist (s.o.) – vermutlich speichert Google oder der Verlag also auch die private IP-Adresse in diesem Zusammenhang. Hierzu gibt es meines Wissens keine Vereinbarungen, Datenschutzerklärungen etc., im Unterschied zu jeder Webseite bei der Cookies zum Einsatz kommen, gibt es auch keine Browserbenachrichtigungen, dass man jetzt den Google-CASA-Service nutzt.
  • Wird der Service von unterschiedlichen Anbietern unterschiedlich angeboten? Warum gibt es kein zentrales Administrationsinterface bei Google? Konkret habe ich selbst vor längerer Zeit schon das damalige Angebot vom NEJM, diese Möglichkeit des Fernzugriffs in unseren Krankenhäusern anzubieten, ganz informell per Mail angenommen und seitens des NEJM auch keine genaueren Informationen erhalten. Seither schien das für alle Anbieter zu funktionieren, ohne dass ich benachrichtigt wurde oder man als Google-Scholar-Nutzer innerhalb unseres Netzwerks irgendwie informiert würde, beim Testen für diesen Artikel ging es jetzt für das NEJM nicht mehr, bei anderen aber schon obwohl ich mit diesen Anbietern zu CASA nie einen Kontakt hatte.
  • Wie lange werden Daten gespeichert? Anscheinend muss man seine Verbindung alle 30 Tage erneuern, generell werden die Daten 120 Tage gespeichert. Die Angaben dazu sind aber allgemein unklar bzw. bei manchen Anbietern garnicht vorhanden.
  • Welche Verlage bieten diesen Service an bzw. geben Lizenzdaten an Google weiter? (Meine kleine unvollständige Liste: Springer, Elsevier, SAGE, NEJM, JSTOR, Highwire, Ingenta …)
  • Warum gibt es keine Informationen von oder Vereinbarungen mit Google? Wie gesagt, bei Google selbst sucht man die Begriffe CASA sowie „Subscriber Links“ vergeblich. Es gibt nur eine knappe Seite zu einem ähnlichen Projekt „Library Links“ für Institutionen mit Link Resolver: https://scholar.google.com/intl/en/scholar/libraries.html Ein solcher wird für CASA allerdings nicht benötigt (jedenfalls funktioniert es bei uns ohne).
  • Wird ein Google Scholar Account benötigt? Einige Anbieter behaupten, es wäre möglich Google Casa auch ohne Google Scholar Account zu nutzen, wenn man mit dem gleichen Gerät im und außerhalb des Campus arbeitet. Ich konnte diese Funktionalität nicht nachvollziehen, abgesehen von den bestehenden Remote-Access-Lösungen mit persönlichen Konten bei den Anbietern.
  • Wie ist das mit Missbrauchsmöglichkeiten? Ein Google-Account ist schnell erstellt und weitergegeben … aber vielleicht ist das im Vergleich zu Sci-Hub und Co. ohnehin zu umständlich.

Mein vorläufiges Fazit: Ein spannender und toller Service von Google wie so oft, aber erstaunlich unklar und geheimnisvoll in der Umsetzung. Abgesehen davon, dass sich Google Scholar auf diese Weise Dominanz verschafft, sind die weiteren Implikationen für Bibliotheken und auch Verlage m.E. unabsehbar, ebenso wie die Interessen seitens Google ebenfalls komplexer sein dürften. Die Situation, dass nützliche Services mit einer unklaren Menge von möglichen Implikationen verschiedenster Art (rechtlich, wirtschaftlich, auch bibliothekarisch) einhergehen und Entscheidungen auf einer sehr oberflächlichen Wissensbasis getroffen werden müssen, scheint inzwischen Standard zu werden – wenn solche Entscheidungen überhaupt noch getroffen werden können, wie sich in diesem Fall ja schon andeutet.

Ich freue mich über Ihre Meinung und auch über genauere Informationen über die Hintergründe, wenn sie jemand hat …

COVID-19 verschärft prekäre Informationsversorgung im Gesundheitswesen

Pressemitteilung vom 24.6.2020 „Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V.“

In Ihrer Pressemitteilung weist das EbM Netzwerk auf ein weiterhin bestehendes Problem in der medizinischen Informationsversorgung hin, das durch die Corona-Pandemie verstärkt wirkt. Für nicht Universitätsangehörige ist der Zugang zu medizinischer Information eh schon erschwert. Zugänge zu Onlineangeboten sind durch die Lizenzschranken der Verlage nicht vorgesehen, bzw. generell nicht möglich. Durch die Beschränkungen der Corona-Pandemie ist der direkte Zugang über eine Nutzung von Universitätsbibliotheken vor Ort weitestgehend versperrt. Die alternative Nutzung von Lieferdiensten führt zu Zusatzkosten und ermöglicht nur einen zeitverzögerten Zugang zu der benötigten Information. Benötigt wird eine zentrale Lösung, etwa über ein Institut zur Versorgung mit medizinisch-wissenschaftlicher Literatur, das relevanten Nutzergruppen einen unkomplizierten Zugang auf elektronischem Weg zur Verfügung stellt

Das EbM Netzwerk sieht die zuständigen Bundesministerien und die Hochschulrektorenkonferenz in der Pflicht für eine grundlegende Reform in der Informationsversorgung zu sorgen.

Pressemitteilung vom 24.6.2020, COVID-19 verschärft prekäre Informationsversorgung im Gesundheitswesen.

Gemeinsame Wissenschaftskonferenz beschließt Förderung der NFDI4Health

Pressemitteilung ZB Med vom 29.6.2020

Aufbau einer Forschungsdateninfrastruktur für personenbezogene Gesundheitsdaten

Ein multidisziplinäres Team aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern soll in Deutschland eine Forschungsdateninfrastruktur für personenbezogene Gesundheitsdaten aufbauen: NFDI4Health. Die Förderung hat die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) heute in Bonn entschieden. Das Projekt wird von Bund und Ländern finanziert.

„Wir freuen uns sehr über diese Entscheidung“, sagt Prof. Dr. Juliane Fluck, Sprecherin der NFDI4Health und Programmbereichsleiterin „Wissensmanagement“ bei ZB MED – Informationszentrum Lebenswissenschaften. Sie fügt an: „Unsere Mission ist die Wertsteigerung der Forschung in den Bereichen Epidemiologie, Gesundheitswesen und klinische Studien. Dazu wollen wir hochwertige Daten nach den FAIR-Prinzipien international zugänglich machen. Wir bieten eine vollständige Abdeckung großer epidemiologischer Studien, der Public-Health-Forschung und von Prüfärzten und -ärztinnen initiierter klinischer Studien in Deutschland sowie die gemeinsame Entwicklung von NFDI4Health mit der Nutzergemeinde.“

Die Relevanz von Forschungsdaten mit einem einfachen Zugriff darauf wurde vor einigen Jahren auch seitens der Politik als Basis für zukunftsfähige Wissenschaft erkannt. Beauftragt durch die GWK hat der Rat für Informationsinfrastrukturen daher 2016 den Aufbau einer Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) vorgeschlagen. Finanziert durch Bund und Länder entsteht diese derzeit als bundesweit verteiltes Kompetenz- und Infrastrukturnetzwerk, das die Bereitstellung und Erschließung von Forschungsdaten für die Wissenschaft sicherstellen soll.

In drei von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) koordinierten Ausschreibungsrunden sollen bis zu 30 Konsortien mit insgesamt bis zu 85 Millionen Euro pro Jahr für zunächst fünf Jahre mit möglicher Verlängerung um weitere fünf Jahre gefördert werden.

„Die Erfassung und Analyse personenbezogener Daten zu Gesundheits- sowie Krankheitsstatus und wichtiger Einflussfaktoren darauf sind eine wesentliche Komponente zur Entwicklung neuer Therapien, übergreifender Versorgungsansätze und präventiver Maßnahmen eines modernen Gesundheitswesens“, ergänzt Prof. Dr. Iris Pigeot, Direktorin des Leibniz-Instituts für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS und stellvertretende Sprecherin von NFDI4Health. „Die fortschreitende Digitalisierung führt zu einem erheblichen Wachstum des hierfür nutzbaren Datenbestands, aber auch zu einem erhöhten Bedarf an beschreibenden Daten. Die personenbezogenen Gesundheits- und Krankendaten bieten eine hervorragende Ressource, verlangen jedoch auch einen besonderen Schutz. Sicherheit und Nutzbarkeit zu vereinen, darauf zielt NFDI4Health!“ Die NFDI soll die Datenbanken von Wissenschaft und Forschung systematisch erschließen, nachhaltig sichern und zugänglich machen und (inter-)national vernetzen.

Die darin eingebetteten Ziele von NFDI4Health sind:

  • 1.            Auffindbarkeit von und Zugang zu strukturierten Gesundheitsdaten ermöglichen.
  • 2.            Föderalen Rahmen für Datenhaltungsorganisationen erhalten.
  • 3.            Austausch und Verknüpfung von personenbezogenen Daten unter Wahrung des Datenschutzes ermöglichen.
  • 4.            Automatisierte Dienste (z.B. Suche, Analysetools) etablieren.
  • 5.            Interoperabilität und Wiederverwendbarkeit der Daten etablieren und verbessern.
  • 6.            Anwendungsfallorientierte Zusammenarbeit zwischen Forschungsgemeinschaften fördern.
  • 7.            Geschäftsmodelle für Nachhaltigkeit erarbeiten.

NFDI4Health wird die Sichtbarkeit und Zugänglichkeit von Forschungsdaten erhöhen, zu einem Reputationsgewinn von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die ihre Daten austauschen, beitragen und neue Kooperationen fördern. NFDI4Health setzt sich aus einem interdisziplinären Team von 18 Partnern zusammen. Insgesamt 46 namhafte Institutionen aus dem Gesundheitsbereich haben ihre Beteiligung zugesichert, darunter etwa große Fachgesellschaften oder wichtige epidemiologische Kohorten; von 37 internationalen Institutionen liegen Unterstützungsschreiben vor.

Weitere Informationen zur Initiative:

www.nfdi4health.de

Umfrage zur Digitalen Lehre an der Uni zu Lübeck

An der Universität zu Lübeck haben die Fachschaften eine Umfrage unter den 5.000 Studierenden zum ersten digital abgehaltenen Semester ohne Präsenzveranstaltung durchgeführt. An der Umfrage haben sich ca. 3.000 Studierenden der Fachgebiete „Angewandte Naturwissenschaften und Technik“, „Mathematik und Informatik“, Psychologie, „Gesundheitswissenschaften und Medizin“ beteiligt.

Das Fazit der Studierenden zur digitalen Lehre fällt eher positiv aus. Überwiegend positiv wurde die technische Umsetzung, die Strukturierung der Lehrinhalte und die Betreuung durch die Dozierenden bewertet. Aus den Antworten geht jedoch auch hervor, dass die Beschränkung der Lehre auf ausschließlich Online- und Lernplattformen und sozialen Medien als mental belastend empfunden wird. Ungefähr die Hälfte der befragten Studierenden hat angegeben, dass die Schließung der Bibliotheken für Sie ein Problem dargestellt hat.

aerzteblatt.de vom 23.6.2020 „Studierende bewerten digitale Lehre als positiv, aber auch mental belastend“

TH Lübeck vom 5.5.2020, „Studierendenbefragung zur Digitalen Lehre an der TH Lübeck“